Heidelberg im Spiegel seiner ältesten Beschreibungen
Dr. Rudolf Kettemann
Der Name Heidelberg
Luders Erklärung des Namens Heidelberg nach dem für die Stadt als charakteristisch angesehenen Beerengewächs behauptete durch
die Jahrhunderte hindurch neben verschiedenen anderen Deutungsversuchen ihren Platz. Für das 16. und 17. Jahrhundert, in denen
das etymologische Interesse besonders wach war, andererseits das Fehlen einer gesicherten sprachwissenschaftlichen Grundlage
zu absonderlichen Fehldeutungen führte, sei beispielsweise auf Sebastian Münster und den Erläuterungstext zu Merians großem
Stadtpanorama verwiesen, der auf dem Baseler Exemplar erhalten ist. Bei Sebastian Münster lesen wir in seiner epochemachenden
Kosmographie zu dem Namen Heidelberg: "... und wirt also genent, wie etliche meinen, von den Heidelberen, die darumb auff den
bergen wachsen". Der Verfasser des Textes zu Merians Kupferstich zitiert gar die ganze Passage Luders über Heidelberg in der
deutschen Übersetzung des Matthias von Kemnat.
Da auch von seiten der modernen Sprachwissenschaft nach Ausweis der einschlägigen etymologischen Lexika gegen die Ableitung des Namens Heidelberg von den Heidelbeeren keine Einwände erhoben werden, scheint diese vielfach als Volksetymologie diskreditierte Deutung des Namens doch die wahrscheinlichste zu sein. Das Wort Heidelberg würde sich demnach als Klammerform für "Heidel(beer)berg" erklären, oder man hätte anzunehmen, daß "Heidel" frühmittelhochdeutsch einmal der Name für Heidelbeere war, wie heute noch zwischen Bodensee und Lech gebräuchlich.
Quelle: Heidelberg im Spiegel seiner
ältesten Beschreibung, von Dr. Kettemann 1986, Heidelberg