In keiner anderen Stadt blickt die Heidelbeerfrucht auf eine
ruhmreichere und ältere Geschichte zurück
Das älteste bekannte Zeugnis der Heidelbeer-Heidelberg-Etymologie stellen die Heidelbeerzweige in der
Umrandung des Großen Siegels der Universität Heidelberg dar. Ruprecht I gab im Jahre 1386 das Siegel
zur Gründung der Universität in Auftrag.
1992 veröffentlichte Dr. Thomas Haffner in der "Ruperto Carola" (44. Jahrgang Nr. 86) eine umfangreiche
Studie zur Ikonographie des Siegels der Universität Heidelberg, die glaubhaft belegt, dass die vegetabilen
Elemente in der Umschrift eindeutig Heidelbeerzweige darstellen. Im Gesamtzusammenhang betrachtet,
bilden die Heidelbeerzweige ein bildliches Äquivalent zum Adjektiv "heydelbergensis", das die Universitätsstadt Heidelberg heraldisch auf dem Siegel darstellt. In den folgenden Jahrhunderten inspirierte die Frucht
in Heidelberg immer wieder namhafte Gelehrte, Schriftsteller und Künstler. Berühmtester Liebhaber der
Heidelbeere wurde der Amerikaner Mark Twain, der in der Neckarstadt sein Buch "Huckleberry Finn"
beendete und den Titel des Buches der Heidelbeere (engl. Huckleberry) widmete.
Peter Luder,
Frühhumanist, Heidelberg 1410 – 1470
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„Laudatio auf Heidelberg“
Es gibt einen Ort in Deutschland, am engen Eingang eines Gebirges, nicht weit vom Rhein, dem König der Flüsse, entfernt. Für diesen Ort bilden zwei auf beiden Seiten in den Himmel ragende Bergspitzen mit ihren sonnigen Seitenhängen und Hügeln, bewachsen mit der Rebe des Bacchus ein lieblich reizendes Tal. Seine Fluren bewässert der Lauf des Neckars und lässt sie golden glänzen von Früchten.
Hier ist eine Stadt gelegen, uralt, mächtig durch Waffen und durch den Reichtum der Scholle, vielbesucht Fremden mit zahlreichen Einwohnern. Diese Stadt nannten die Kelten nach den Beeren eines winzigen Strauches Heidelberg. Während Sie den übrigen Städten, die ringsum liegen, nicht nachsteht und den Vergleich mit ihnen nicht zu scheuen braucht, übertrifft sie wohl leicht alle anderen in diesem Punkt, daß sie , als fester Sitz der Wissenschaften, stets die bedeutendsten Männer auf allen Wissensgebieten hervorbrachte. Denn es finden sich in dieser Stadt so viele glänzende und hervorragende Vertreter, sei es im göttlichen, kaiserlichen, oder päpstlichen Recht oder der Medizin, sei es in den freien Künsten, daß diese offensichtlich nicht nur die Stadt selbst, sondern fast ganz Deutschland unterwiesen und erleuchtet haben.
(Übersetzung von Dr. Rudolf Kettemann)
Peter Luder gehört zu den herausragenden Persönlichkeiten der Geistes- und Universitätsgeschichte. Er gilt als Wegbereiter der „Studia humanitatis“ in Deutschland.
Quelle: Heidelberg in alten und neuen Reisebeschreibungen
Droste Verlag 1993
Paulus Schede Melissus,
Dichter, Leiter der Bibliotheca Palatina, Heidelberg, 1539-1602
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Haidelberga vocor
Haidelberg heiße ich. Heidelbeeren, kärgliche Gaben
Verliehen mir – die ich am Fuße eines strauchbewachsenen
Berges liege - den Namen.
Ein Mädchen mit Beeren in der Hand, eine schöne Figur,
Steht als glaubwürdige Zeugin hoch auf dem Brunnen.
Es beweist dies der Dichter Friedrichs, der als Sieger
gegen die Feinde
Scharfe Waffen mit kampfgewohnter Hand geführt hat.
Es beweist dies der Bürgermeister, das Rathaus, der Hort der Fahne,
Auf der eine Bergnymphe auf Heidelbeerfluren sich lagert.
Es beweist dies der Bürger unumstößlich, daß wirklich der
Heidelbeerstrauch
Auf nahem Hügel in grünem Laube sprießt.
Oder nennt mich etwa Panoris, oder Eitelberg,
Ein Tor? Auch wer Edelberg mich nennt, irrt.
Manche verbreiten, dass ich von Böcken den Namen hätte oder
Von Heiden,
Aber beide Namen sind falsch.
Den Heidelbeerberg werde ich für immer unsterblich machen.
Es packe sich fort,
Wer unkundig, welches der Ursprung meines Namens.
Viele neuern viel. Wahr ist die Gewähr, die der Penaten
Alte Stätten selber bezeugen.
Heidelberg-Gedichte Rigodon Verlag 1985
Herbert Derwein, Historiker, Stadtarchivar, Heidelberg, 1893 - 1961
Ernst Christmann, Sprachforscher, Kaiserslautern, 1895 – 1974
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Der Name der Stadt Heidelberg
In ihrem Buch „Der Name der Stadt Heidelberg“ von 1941 untersuchen beide ausführlich die Entstehungsgeschichte des Namens und kommen zu dem Ergebnis, dass Heidelberg die Klammerform für „Heidelbeerberg“ ist und von der Heidelbeere seinen Namen hat.
Rudolph Kettemann, Philologe, Heidelberg
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Heidelberg im Spiegel seiner ältesten Beschreibungen
Die Herleitung des Namens Heidelberg von der Heidelbeere ist bei Peter Luder erstmals nachzuweisen und stellt die früheste
Deutung des Namens der Stadt überhaupt dar. Eine ausführliche Begründung dieser Namenserklärung finden wir bei dem Humanisten
und gefeierten lateinischen Poeten Paulus Schede Melissus (1539 1602), dem von Pfalzgraf Johann Casimir 1586 die Leitung der
Bibliotheca Palatina anvertraut worden war. In seinen Darlegungen aus dem Jahre 1598 betont er das reiche Vorkommen von
Heidelbeeren auf den Bergen bei der Stadt und zieht "Heidelberge" anderer Gegenden als Parallele heran. Zugleich berichtet
Melissus von einem Denkmal am Schlossweg, einem Brunnen, an dem sich zwei Schilde befanden. Auf einem dieser Schilde sei ein
mit Heidelbeeren bewachsener Berg und ein Mädchen mit Heidelbeerbüscheln in der Hand dargestellt. Eine gleiche Darstellung habe früher auch eine Stadtfahne getragen. Nach diesem "Heidelbeer-Berg" habe die Stadt ihren Namen erhalten.
Luders Erklärung des Namens Heidelberg nach dem für die Stadt als charakteristisch angesehenen Beerengewächs behauptete durch die Jahrhunderte hindurch neben verschiedenen anderen Deutungsversuchen ihren Platz. Für das 16. und 17. Jahrhundert, in denen das etymologische Interesse besonders wach war, andererseits das Fehlen einer gesicherten sprachwissenschaftlichen Grundlage zu absonderlichen Fehldeutungen führte, sei beispielsweise auf Sebastian Münster und den Erläuterungstext zu Merians großem Stadtpanorama verwiesen, der auf dem Baseler Exemplar erhalten ist. Bei Sebastian Münster lesen wir in seiner epochemachenden Kosmographie zu dem Namen Heidelberg: "... und wirt also genent, wie etliche meinen, von den Heidelberen, die darumb auff den bergen wachsen". Der Verfasser des Textes zu Merians Kupferstich zitiert gar die ganze Passage Luders über Heidelberg in der deutschen Übersetzung des Matthias von Kemnat unter ausdrücklicher Berufung auf „gemeldetes bösen Fritzen gewesener Hof Capellan“
Da auch von Seiten der modernen Sprachwissenschaft nach Ausweis der einschlägigen etymologischen Lexika gegen die Ableitung des Namens Heidelberg von den Heidelbeeren keine Einwände erhoben werden, scheint diese vielfach als Volksetymologie diskreditierte Deutung des Namens doch die wahrscheinlichste zu sein. Das Wort Heidelberg würde sich demnach als Klammerform für "Heidel(beer)berg" erklären, oder man hätte anzunehmen, dass "Heidel" frühmittelhochdeutsch einmal der Name für Heidelbeere war, wie heute noch zwischen Bodensee und Lech gebräuchlich.
Quelle: Heidelberg im Spiegel seiner ältesten Beschreibung, Dr. R. Kettemann 1986, Heidelberg